Die Reste eines Sommers

 

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Er war der Letzte, der das Dorf in den schwarzen Bergen am Meer verließ. Vorher war er noch einmal durch die Gassen gegangen. Vorbei an den geduckten Häusern mit ihren vom Salz zerfressenen Fensterläden und den Mauern, die der Sand mürbe gemacht hatte. An jedem dieser Häuser hatte er Halt gemacht und in seinem Notizbuch die Dinge aufgelistet, die auf den Plätzen, auf Bänken und Tischen liegengeblieben waren:

* 1 Haargummi, 1 Taschenbuch – Donald Duck (Calle Caracol No. 3)
* 1 Babypuppe, drei Schwimmbretter, Sandelzeug (neben der Ruine)
* 1 Skatspiel, nicht vollständig, die Karten auf dem Betonboden verteilt, 1 Wasserballschläger (im Windfang, direkt an der Küste)
* 1 Terrassenstuhl, türkisgrüner Bezug, Metallgestell schon stark verrostet (am Bouleplatz)
* 3 schwarze prall gefüllte Tüten, dem Gestank nach vermutlich Müll (am Ortseingang stehen gelassen)
* 1 Handtuch, 1 Badehose, 1 Bikinioberteil, flatternd im Wind (Wäscheleine, Calle Picasso No. 5)

Nachdem er seine Inventur beendet hatte, machte er sich daran, sich vom Sommer zu verabschieden. In diesem Jahr schenkte er dem Meer seine Steuererklärung. Gefaltet zu kleinen Booten aus Papier.

© Text und Foto: Karin Kontny

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Author: Karin Kontny

Autorin * Journalistin * Reporterin

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