Deine Hand ist ein Gast

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Auf dem Badewannenrand steht dein Gestern und Vorbei. Sie hat es benutzt, das Shampoo, das ihrem Haar diesen Glanz und eine Kraft und ein Volumen schenkte. Ihrem dunklen Haar. Sie trägt es, ich sah es auf einem Foto, das du mir beiläufig und hektisch zeigtest, zu einem Pferdeschwanz gebunden. Fest im Nacken, dicht und ordentlich. An ihren Ohrläppchen – oder war es ihr Hals? – Perlen, wie ich sie nie tragen würde. Ich bin hier jetzt. So anders als sie. Probiere einen Platz aus, der mir nicht gehört. Trinke Kaffee in eurer Küche und begegne euren Nachbarn, die ein langes Gespräch führen mit dir, auf dem Treppenabsatz. Um mich zu mustern, die Frau wenige Wochen später. Wir gehen nach Hause, sagst du, und der Satz ist nur deiner. Aber es stört mich nicht. Ich bin ein Besuch in deinem Haus und deine Hand ist ein Gast auf mir. Dann, wenn du schwer atmest und das Haarband aus dem Nacken ziehst, das du mir geliehen hast, ohne deine Vergangenheit zu fragen.

Wir teilen das Glück der verlierbaren Nähe. Einen Tag lang noch.

© Text und Foto: Karin Kontny

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Autor: Karin Kontny

Autorin * Journalistin * Reporterin

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